iCHANCE - Besser lesen, besser schreiben!

Jeder siebte Erwachsene kann nicht richtig lesen und schreiben

In Deutschland verfügen über sieben Millionen Erwachsene oder 14,5 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung über so geringe Lese- und Schreibkenntnisse, dass sie als funktionale Analphabeten gelten. Bei weiteren 13 Millionen Erwachsenen oder 25,9 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung tritt fehlerhaftes Schreiben selbst bei gebräuchlichen Wörtern auf. Zwar sind Ältere häufiger als Jüngere betroffen, aber fast 1,5 Millionen junge Erwachsene im Alter von 18-29 Jahren haben gravierende Probleme mit der Schrift. Funktionaler Analphabetismus ist damit kein Randproblem, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

 

 

Schreibbeispiele von Erwachsenen zum Thema Musik

Wenig Nachfrage. Wenig Angebot. Viel Tabu.

Vielerorts fehlen Angebote, um nachträglich das Lesen und Schreiben zu verbessern. Derzeit besuchen weniger als 20.000 Erwachsene Alphabetisierungskurse, wobei junge Erwachsene stark unterrepräsentiert sind. Insbesondere auf die Bedürfnisse junger Menschen abgestimmte Lernangebote sind selten.

Betroffenen fällt es schwer, Verträge zu lesen und zu verstehen, E-Mails zu schreiben oder schriftbasierte Automaten zu bedienen. Schriftsprachliche Situationen im Alltag werden zur Herausforderung und häufig vermieden oder durch kreative Strategien umgangen. Aus Scham und Angst, entdeckt zu werden, nehmen Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten häufig keine Hilfsangebote wahr. Für viele Menschen heißt das: Nicht auffallen und die Ausbildung, Freundschaften oder sogar die Partnerschaft riskieren. Funktionaler Analphabetismus ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, und der Informationsstand darüber in der Öffentlichkeit gering.

iCHANCE - Besser lesen, besser schreiben!

Mit der Kampagne „iCHANCE – Besser lesen, besser schreiben!“ geht der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. neue Wege in der Ansprache und Motivation junger Erwachsener mit niedrigen Lese- und Schreibkompetenzen und hat für die Verwirklichung wichtige Partner und prominente Unterstützer gewonnen. Von 2008 bis Ende 2014 wird bei jungen Erwachsenen die Werbetrommel für das nachträgliche Lesen und Schreiben lernen gerührt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der „Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“.

Hauptziele von iCHANCE sind:

  • Enttabuisierung des funktionalen Analphabetismus speziell bei jungen Erwachsenen durch Informations- und Aufklärungsarbeit
  • Werbung für das nachträgliche Lesen und Schreiben lernen unter Berücksichtigung von www.iCHANCE.de und des Alfa-Telefons als Informations- bzw. Beratungsangebot
  • Einbindung von Lernenden und Prominenten als Vorbilder
  • Sensibilisierung von Multiplikatoren und Schlüsselfiguren aus dem Umfeld der Betroffenen
  • Förderung von Lernmotivation
  • Gewinnung von Sponsoren und Kooperationspartnern zur nachhaltigen Verstetigung der Kampagne

Für die Verwirklichung der Kampagne konnten Unternehmen und prominente Künstler gewonnen werden, die sich für das Lesen und Schreiben einsetzen. Dazu gehören Google Deutschland/YouTube, CityCards, Tonic Trix, ReadSpeaker und Künstler wie Joko und Klaas, The BossHoss, Atze Schröder, K.I.Z., Kraftklub, Der Dennis (Pro7 switch reloaded), Kaya Yanar, Buddy Ogün, Scooter oder die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes. Interviews, Statements und Werbeclips werden auf einem YouTube-Partnerchannel veröffentlicht.

Wir sind ALFA-Helden!

Zum Weltalphabetisierungstag 2013 hat iCHANCE neue Schwerpunkte in der Öffentlichkeitsarbeit gesetzt. Im Mittelpunkt der neuen Kampagne stehen drei junge Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten, die auf www.iCHANCE.de über ihr Leben und ihren Alltag berichten. In biografischen Beiträgen und Interviewsequenzen geben André, Solveig und Tobias persönliche Einblicke in ihre Lebenswelt und antworten auf die gängigsten Fragen zum Lesen- und Schreibenlernen. Die drei „ALFA-Helden“ trauen sich, was viele Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten sich noch nicht trauen: Sie sprechen über ihr Problem, packen es an und machen damit anderen Betroffenen Mut.

André hat Probleme mit dem Lesen und Schreiben in gemäßigter Form. Ihm wurde eingeredet, dass er es nicht richtig kann. Deshalb traute er sich selbst wenig zu. Aufgeblüht ist er, als er einen speziellen Kurs in seiner Berufsschule besuchte. Dort verbesserte er seine Fähigkeiten schnell: „Du willst halt immer mehr. Immer mehr lesen, immer mehr schreiben, weil du auf einmal Spaß daran kriegst. Weil du es halt irgendwann kannst!“.

Solveig hat an der Volkshochschule nachträglich das Lesen und Schreiben verbessert. Denn damit hatte sie so ihre Mühen. Nach der ersten Klasse kam sie deshalb sogar auf die Förderschule. Dort hat man ihr zwar viel Unterstützung angeboten, aber die eigene Einsicht „da muss man ja mehr drauf haben, um weiterzukommen“, kam erst nach der Schule.

Tobias resümiert rückblickend: „Leben ohne Lesen und Schreiben - das funktioniert einfach nicht!“. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass es viel Mut und auch Arbeit kostet, sich seinen Problemen zu stellen. Und Mut will Tobias auch anderen Betroffenen machen. Wenn man mit ihm spricht, merkt man, dass er davon getragen wird, sich für Andere stark zu machen.

ALFA werden

Informiert werden und Andere informieren, ist ein weiterer Kampagnenschwerpunkt zum Weltalphabetisierungstag 2013. Dazu gehört, dass Unterstützer im Internet ALFAs werden können. ALFAs machen Mut und helfen dabei, die Problematik und Beratungsangebote bekannter zu machen und in den eigenen Netzwerken zu verbreiten. In den gemeinsamen Dialog können ALFAs über www.facebook.com/iCHANCE und www.youtube.com/alphabetisierung treten. Mit dem ALFA-Signet wird Solidarität mit lese- und schreibungeübten Erwachsenen ausgedrückt.

Hilfe im Internet und am Telefon

Alle Kommunikationsmaßnahmen verweisen für weiterführende Informationen zum Lesen- und Schreibenlernen auf www.iCHANCE.de und das Alfa-Telefon. Die Seite www.iCHANCE.de richtet sich an junge Erwachsene, die Informationen, Beratung und Hilfe zum Thema im Internet suchen. Zudem kann das Portal im Unterricht genutzt werden, weil es viele motivierende Lese- und Schreibanlässe bietet. Am ALFA-Telefon informiert der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung unter der Telefonnummer 0800 - 53 33 44 55 Betroffene und Vertrauenspersonen über passende Lese- und Schreibangebote für Erwachsene.